Die Sommerschule beginnt am Mittwoch, den 11. September um 13:00 Uhr und endet am Freitag, den 13. September um 13:00 Uhr.

In verschiedenen Workshops werden unter anderem theoretische Zugänge von Theodore R. Schatzki, Elizabeth Shove, David Nicolini und Pierre Bourdieu behandelt. Weiterhin werden thematisch fokussierte Workshops zu

  • Praktikentransfer über geographische Distanzen
  • Praktiken erforschen – methodologische und methodische Überlegungen
  • Meine Identität oder Deine Kategorie? Das Subjekt zwischen Intersektionalität, Postkolonialität und Personalität
  • Phänomenologie und Praxistheorie
  • Praktiken und Emotionen/Affekt
  • Wer macht eigentlich was? Praktikentheorien und ihre tierischen Herausforderungen

angeboten.

Sessions, Workshops, Lesezirkel etc.

Missstand und Utopie – Intervention als wissenschaftliche Praxis bei Bourdieu
Der Workshop stellt die interventionistische Dimension gesellschafts- und raumtransformativer geographischer Praxis in den Mittelpunkt. Ausgehend von Pierre Bourdieu’s macht- und herrschaftsanalytischen Arbeiten fragen wir nach Möglichkeiten und Grenzen des Zusammenbringens von Analyse und Normativität, sowie nach der politischen Kontingenz wissenschaftlichen Handelns. Dabei spielt der theoretische und methodologische Blick auf gesellschaftliche Missstände ebenso eine Rolle, wie die Skizze sozial-räumlicher Utopie als gelebte Praxis einer alternativen, gegenhegemonialen Gegenwart.
Leitende: Dr. Claudia Gebauer & Matthias Gebauer

Literaturworkshop: Praktikentransfer über geographische Distanzen -Verbindung zwischen Praktiken und Praktikenkonstellationen
Einer der häufig genannten Kritikpunkte an Praxistheorien ist, dass sie soziologische Makrophänomene nicht fassen können. Dieser Kritik wird in neueren praxistheoretischen Publikationen immer mehr begegnet, ohne dabei von der für Praxistheorien charakteristischen flachen Ontologie abzuweichen. Wie formen sich Konstellationen (Bündel, Komplexe oder Netze) von Praktiken? Wie wirken Praktiken auf andere Praktiken? In diesem Workshop soll dabei vor allem darauf eingegangen werden, was praxistheoretische Überlegungen zu großen sozialen Phänomenen und Praktikenkonstellationen für Implikationen für das Arbeiten über Raum und mit räumlichen Begrifflichkeiten bedeutet.
Leiterin: Judith Wiemann

Forschen zu Praktiken im globalen Süden oder Diverse Wirtschaft(spraktiken) und Theorien sozialer Praktiken
In diesem Workshop möchten wir uns zusammen darüber austauschen, weshalb und wie wir im Globalen Süden zu Praktiken und mit praxis-theoretischen Konzepten forschen. Inwieweit sind solche Herangehensweisen spannend, als dass sie neue Einblicke und Erkenntnisse ermöglichen? Und was für spezifische Fragen wirft das Forschen in postkolonialen Kontexten auf für Praxis-theoretische Zugänge?
Leitende: Katharina Molitor, Johanna Herrigel & Mirka Erler

Praktiken erforschen – methodologische und methodische Überlegungen
In diesem Workshop geht es um die empirische „Übersetzung“ von Theorien sozialer Praktiken unter besonderer Berücksichtigung von Schatzkis site ontology (ganzer Nachmittag).
Leitende: Dr. Matthias Lahr-Kurten & Christine Wenzl

Meine Identität oder Deine Kategorie? Das Subjekt zwischen Intersektionalität, Postkolonialität und Personalität
In diesem Kurs wird die Frage gestellt, wie sich der ambivalente Charakter sozialer Kategorien in den Debatten um Intersektionalität, Postkolonialität und Identität darstellt. In einigen partizipativen Lehreinheiten und unter Einbezug grundlegender Literatur werden sowohl die determinierenden Effekte sozialer Kategorien wie auch deren Offenheit deutlich.
Weitere Informationen
Leitende: Dr. Klaus Geiselhart & Kim A. Juraschek

Phänomenologie und Praxistheorie
In praxisorientierten Arbeiten lässt sich der Ruf nach einer stärkeren phänomenologischen Ausrichtung nicht verbergen, was sich beispielsweise in den Rezeptionen des Phänomenologen Maurice Merleau-Ponty ausdrückt (vgl. Prinz 2017). Doch phänomenologische Prämissen in die praxeologische Haltungen zu überführen, bedarf einer kritischen Reflexion phänomenologisch methodologischer Zugänge. „Aus der Sicht der Phänomenologie (und aus Sicht einer lebenslogischen Hermeneutik) sind Praktiken ganz sicher minimal Prozesse-die-etwas-bedeuten, nicht aber bloße Abläufe. Sie verlangen daher eine Bedeutungsanalyse, also z.B. eine Gesellschaftstheorie oder eine verstehende Soziologie oder eine verstehende Pädagogik etc. Dass Praktiken kulturelle Praktiken sind, ist aus dieser Sicht ein weißer Schimmel“ (Bedorf 2017: 17). Die methodische Orientierung liegt in der Phänomenologie am Leib der Akteure und darauf, wie Erfahrungen und Wahrnehmung beispielsweise in sozialräumlichen Konzeptionen eingeordnet sind (vgl. Dörfler/ Rothfuss 2013; Hasse 2017). Mit dieser „Leib-orientierung (Dörfler/Rothfuss 2018)) markiert die Phänomenologie ein anders gelagertes Interesse als Praxeologien, die eben praktiken-orientiert sind. Das schließt zwar nicht aus, dass beide Orientierungen nicht zusammengefügt werden können, jedoch bewahren sich Praxeologien und Phänomenologien die jeweiligen Denkweisen zu unterschiedlichen Kernbegriffen, die es in dem Workshop genauer zu betrachten gilt. Damit stellt sich auch die Fragen, wie Phänomenologie und Praxeologie zusammengebracht werden können.
Leiterin: Cosima Werner

Praktiken und Emotionen/Affekt
Das Seminar führt auf Basis des (Vorab-)Studiums von Lesetexten und daran anknüpfender Diskussionen und Übungen in die kultur- und sozialwissenschaftlichen Debatten um Emotionen und Affekte ein und diskutiert hier insbesondere, wie Emotionen und Affekte in praxistheoretischen Angeboten und in geographischen Forschungsperspektiven als Untersuchungsgegenstände, aber auch als analytische Perspektivierungen zum Verständnis sozialer Dynamiken bedeutsam wurden. Entlang der Frage, inwiefern Emotionen und Affekte als Elemente sozialer Praxis beobachtet, formuliert und mit analytischem Mehrwert diskutiert werden können, lotet das Seminar nicht nur theoretische, sondern auch konkret methodische Fragen nach dem Zugang zu Emotion und Affekt in der empirischen Forschung aus.
Leitende: Annika Hoppe-Seyler & Jan Winkler

Wer macht eigentlich was? Praktikentheorien und ihre tierischen
Herausforderungen

Die Session nimmt das Thema der Handlungsmacht praktikentheoretisch in den Blick und stellt zur Diskussion, wie diese durch Ansätze der Human-Animal Studies herausgefordert wird. Grundlage für die Diskussion wird ausgewählte Lektüre sein, die zur Vorbereitung auf die Sommerschule zur Verfügung gestellt wird.
Leitende: Jens Reda & Sebastian Ehret

Theodore R. Schatzkis Theorie sozialer Praktiken
Wie kann soziale Dynamik praxeologisch erklärt werden? Wie verändern Aktivität und Materialität soziale Praktiken? Und warum handeln Akteure überhaupt wie sie handeln? –  Dieses Seminar möchte anhand den Arbeiten des US-amerikanischen Philosophen und Geographen Theodore Schatzkis, der nach dem selbst proklamierten “practice turn”  zunehmend an Bedeutung gewinnt, zunächst eine Einführung in sein praxeologische Denken geben. Dabei soll auf Grundlage einer Vorablektüre Schatzkis Site Ontology reflektiert und deren Mehrwert fruchtbar gemacht werden. Hauptfokus des Seminars liegt dabei auf der Frage, wie soziale Dynamik praxeologisch erfasst werden kann. Anhand Schatzkis Konzepten der „Chain of actions“ sowie sozio-materiellen Bündeln sollen die Ursachen sozialer Veränderung untersucht werden.
Leiterin: Sarah Rominger