Münster 2012 „Gesellschaft, Raum und Macht“

Bericht zur Sommerschule aus dem „Rundbrief Geographie“ 239

Vom 03. bis zum 07. Oktober fand in Münster die Sommerschule „Politische Geographie“ als dritte Veranstaltung in der Reihe „Humangeographische Sommerschulen“ statt. Sie drehte sich thematisch um das Spannungsfeld von Gesellschaft, Raum und Macht.

Die Sommerschule verfolgte das Ziel, den 60 teilnehmenden DoktorandInnen und fortgeschrittenen Studierenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Einführung in aktuelle Konzepte und Arbeitsweisen der Politischen Geographie zu geben. Mit finanzieller Förderung durch die Volkswagen-Stiftung und in Kooperation mit dem Arbeitskreis Politische Geographie wurden die insgesamt 17 Workshops und Projektgruppen-Arbeitsphasen von 22 KollegInnen aus 11 Universitäten bzw. Forschungsinstitutionen unterrichtet, die ihre jeweiligen Forschungs-, Gelände- und Lehrerfahrungen unmittelbar in den Austausch mit den TeilnehmerInnen einbringen konnten.

Auf diese Weise erhielten die TeilnehmerInnen einen intensiven Einblick in die Pluralität der konzeptionellen Herangehensweise und in die gesellschaftliche Brisanz der inhaltlichen Forschungsfelder der Politischen Geographie. Die Palette reichte dabei von kritischen über akteurs- und handlungszentrierte bis hin zu strukturalistischen und poststrukturalistischen Konzeptionen, die im ersten Teil der Sommerschule das theoretische Fundament bildeten:

  • Im Einführungsmodul „Polit-ökonomische Ansätze“ (Bernd Belina, Henning Füller und Sebastian Schipper) standen bei den kritischen Ansätzen der Radical Geography gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse und deren Raumproduktionen im Vordergrund.
  • Die konflikt- und handlungsorientierten Ansätze der Politischen Geographie konzentrierten sich auf die Rolle und Macht von Akteuren im Kontext raumbezogener Auseinandersetzungen (Michael Brinkschroeder und Paul Reuber).
  • Das Einführungsmodell zur poststrukturalistischen Politischen Geographie (Iris Dzudzek, Annika Mattissek und Anke Strüver) legte den Schwerpunkt auf die diskurstheoretische Analyse der politischen Geographien gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

Auf der Grundlage der konzeptionell-theoretischen Module fanden dann im zweiten Teil der Sommerschule stärker thematisch ausgerichtete Workshops zu aktuellen Forschungsfeldern und Debatten der Politischen Geographie statt, die erneut das breite Spannungsfeld der Teildisziplin aufscheinen ließen. Es ging um „Soziale Bewegungen“ (Carolin Schurr und Anke Strüver), „Postkoloniale Theorie“ (Julia Lossau), „Geographien der Gewalt“ (Benedikt Korf und Conrad Schetter), „Kritische Kartographie“ (Georg Glasze und Boris Michel), „Politische Ökologie“ (Henning Füller), um das Verhältnis von „Nation, Staat und Kontrolle“ (Christoph Creutziger und Katrin Wöltje), um „Kritische Geopolitik“ (Martin Müller), um die „Politische Ökonomie der Finanzkrise“ (Sebastian Schipper), um das Verhältnis von „Technologien und Politik“ im Kontext des Klimawandels (Annika Mattissek und Thilo Wiertz), sowie um Regierungsformen und Rationalitäten unter „post-politischen“ Bedingungen (Christoph Creutziger und Patrick Niemann). In ausführlichen, die gesamte Sommerschule durchziehenden Gruppenarbeitsphasen konnten die Studierenden dann am Beispiel aktueller politisch-geographischer Themen und Konflikte eigene Fragestellungen und Projektdesigns entwickeln (Betreuung: Susanne Kubiak und Kirsten Linnemann), die auf der Abschlussveranstaltung im Plenum vorgestellt und diskutiert wurden.

Einen der Höhepunkte der Sommerschule bildete die Keynote-Lecture von Matt Hannah (Aberystwyth University), der unter dem Titel „Geographies of Power, Knowledge, Ignorance“ seine von der Political Geography Study Group der AAG mit dem Julian Minghi Outstanding Research-Award ausgezeichneten, auf Foucaults Gouvernementalitäts-Ansätzen aufbauenden Thesen präsentierte und inhaltlich fortführte.

In der Evaluation der Veranstaltung durch die TeilnehmerInnen hat sich das Format der Sommerschule ein weiteres Mal sehr bewährt. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs das konzeptionell und inhaltlich spannende aber auch sehr komplexe Themenfeld der Politischen Geographie zu vermitteln, ist im normalen Ausbildungsalltag an vielen Hochschulen kaum umfassend zu leisten. Die Sommerschule bot an dieser Stelle ein Forum, in dem KollegInnen ihre Forschungserfahrungen in kondensierter und intensiver politisch-geographische Arbeiten, z.B. im Rahmen von Master-Theses oder Dissertationsvorhaben, erleichtert und inhaltlich verbessert.

Die Reihe „Humangeographische Sommerschulen – Gesellschaft und Raum“ wird im kommenden Jahr fortgeführt. Unter dem Titel „Geographische Stadtforschung“ findet die Veranstaltung 2013 am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt a.M. statt.

Karsten Lenk und Paul Reuber (Münster)

Programm der Sommerschule „Gesellschaft, Raum und Macht“

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DozentInnen

Weitere Informationen zu den Dozenten der Sommerschule „Gesellschaft, Raum und Macht“ erhalten sie hier.

„Am Rande der Forschungsfront“

Weiterlesen können Sie den Artikel von Imme Julia Lindemann, in „entgrenzt- studentische Zeitschrift für Geographisches“
(Ausgabe 4, WiSe 2012/13, S. 33-34) erschien, hier.